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Tageszeitung: Frankenpost Hof, 24.04.2006
HOCHFRANKENEXPRESS VON HOF NACH HEIDELBERG
Gut gelaunt zu Land und zu Wasser
500 Hochfranken erleben Burgenromantik und einen schönen Frühlingstag im idyllischen Neckartal
Ein ganzer Landkreis geht auf Reisen. Unter diesem Motto startete am Samstag zum zweiten Mal der Hochfrankenexpress. Der bewirtschaftete Sonderzug brachte 500 Fahrgäste aus der Stadt Hof und allen Teilen des Landkreises in die romantische Stadt Heidelberg ins Neckartal. Bei den Stadtführungen gab es viel Wissenswertes über Heidelberg sowie über die vielen Studenten aus aller Welt zu erfahren, die einst im wahrsten Sinne des Wortes „die Sau raus ließen“.
HOF / HEIDELBERG – „So ein Tag, so wunderschön wie dieser, so ein Tag, der dürfte nie vergehen“ singt eine Gruppe von Fahrgästen bei einer Polonaise auf einem Bahnsteig des Würzburger Hauptbahnhofes. Ein Kofferkuli muss als fahrbarer Untersatz für den bekannten Hofer Musiker Frank Willutzki herhalten, der mit seiner Ziehharmonika und einem riesigen Repertoire von Volksmusik über Pop bis Rock die Fahrgäste in beste Laune versetzt. „Wollen Sie nicht lieber in unserem Hochfrankenexpress mitfahren, bei uns ist eine viel bessere Stimmung“, scherzt stellvertretender Landrat Klaus Adelt mit einigen verdutzt dreinschauenden Reisenden, die einige Meter weiter auf fahrplanmäßige Züge warten.
An Bord des Hochfrankenexpresses herrscht am Samstagabend aus mehreren Gründen eine Riesenstimmung: Die Teilnehmer hatten einen erlebnisreichen und perfekt organisierten Tagesausflug zu Land und zu Wasser hinter sich, sie werden im Zug vom Team des Hofer Modelleisenbahnclubs mit Essen und Getränken am Platz verwöhnt und außerdem gibt‘s da noch einen Gesellschaftswagen, in dem der Gerstensaft reichlich fließt. Schließlich müssen sich an diesem Tag viele nicht mehr hinter das Steuer ihres Autos setzen. Der Sonderzug-Veranstalter Bahntouristikexpress (BTE) hatte mit mehreren Zustiegsmöglichkeiten ab Hof sowie einem Zubringerzug ab Bad Steben etlichen Fahrgästen einen unbeschwerten Ausflug garantiert.
Ab Hof führte die Fahrt über Münchberg und die berühmte Schiefe Ebene ins Maintal, wobei der Sonderzug Bamberg auf einer Ortsumgehung elegant und Zeit sparend tangierte, um schließlich erst in Würzburg einen Lokwechsel machen zu müssen. Mit einer Altbau-Lok der Baureihe E 10, die die Herzen der Bahnfans höher schlagen ließ, ging es über Lauda und Osterburken ins Neckartal.
Fast alle Teilnehmer hatten sich dafür entschieden, die letzte Etappe bis Heidelberg auf dem Neckar zurückzulegen. Auf den Passagierschiffen „Alt-Heidelberg“ und „Schloss Heidelberg“ genossen viele die Aussicht auf den Sonnendecks. Der Anblick der märchenhaften Burgen und Schlösser sowie die üppige Blütenpracht der vielen Obstbäume ließen die 80 Minuten auf dem Neckar schnell verstreichen. Dabei ging‘s zwei Mal rapide bergab: Seit Samstag weiß auch die zehnjährige Maike Primus aus Münchberg ganz genau, was eine Schleuse ist, denn sie erlebte die Absenkungen um 3,80 und 2,60 Meter auf einem der Schiffe hautnah mit.
Schließlich erschien Heidelberg mit den malerischen Villen am rechten Ufer sowie der Altstadt und der Schloss-Ruine auf der linken Seite. Stadtführer erläuterten die wechselvolle 800-jährige Geschichte mit den verheerenden Zerstörungen im 17. Jahrhundert und dem Wiederaufbau im Barockstil.
Die Ortsführerin Barbara Lorenz verstand es, das Interesse für das frühere und heutige Studentenleben zu wecken. Beim Universitätsmuseum wies sie auf den Karzer hin – das frühere Studentengefängnis, in dem sich die kurzzeitig Inhaftierten mit ihren Namen und Missetaten verewigt hatten. Drei Hauptgründe nannte Lorenz, warum Studenten in den Karzer mussten: Wenn sie einen über den Durst getrunken hatten und danach unangenehm auffielen, wenn sie verbotenerweise nackt im Neckar gebadet hatten oder wenn sie einen beliebten Schabernack mit der damals ländlichen Bevölkerung getrieben hatten. „Dann wurde die Stalltür geöffnet und die Sau raus gelassen“, erzählte Lorenz den schmunzelnden Zuhörern. Der noch heute gebräuchliche Ausdruck stamme aus Heidelberg, merkte die Stadtführerin an.
Zum Rauslassen einer Sau besteht in der heutigen Touristen-Hochburg – zumindest im wörtlichen Sinn – keine Gelegenheit mehr, dennoch kam unter den hochfränkischen Besuchern in der zwei Kilometer langen Fußgängerzone keine Langeweile auf.
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Tageszeitung: Frankenpost Hof, 24.04.2006
WERNER ROST
Salzburg als nächstes Ziel
HOF – Der jährlich einmal startende Hochfrankenexpress wird zu einem festen Bestandteil im kulturellen Angebot von Hof sowie der Städte und Gemeinden des Landkreises. Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr, als Berlin das erste Reiseziel war und dort eine Besichtigung des Reichstags mit dem Bundestags-Plenum angeboten wurde, stieß auch der zweite Sonderzug am Samstag nach Heidelberg auf große Resonanz.
„ Mit 500 Teilnehmern sind wir ausgebucht“, sagte der aus Hof stammende Reiseleiter Jürgen Hofmann von der Gesellschaft Bahntouristikexpress (BTE) in Nürnberg. BTE-Geschäftsführer Matthias Wolf zeigte sich besonders überrascht über die bunt gemischte Reisegruppe mit Teilnehmern aus allen Altersgruppen sowie den vielen Kindern und Jugendlichen. „So etwas haben wir sonst nie“, betonte Wolf.
Auch mehrere Kommunalpolitiker waren an Bord: Landrat Bernd Hering mit seiner Frau, sein Stellvertreter und Selbitzer Bürgermeister Klaus Adelt, dessen Kollege Alexander Eberl aus Schwarzenbach an der Saale sowie zweiter Bürgermeister Ernst Egelkraut aus Oberkotzau.
Hering zeigte sich begeistert vom Angebot des Hochfrankenexpresses und dankte der BTE für die Organisation sowie dem MEC Hof für die perfekte Bewirtung im Zug. Er unterstützte die Fortsetzung des Sonderzugangebotes tatkräftig: Der Landrat ging persönlich durch alle zehn Waggons und befragte die Reisenden, welches Reiseziel sie sich im kommenden Frühjahr wünschen würden. Dabei ergab sich eine Mehrheit für Salzburg, das in der Hitliste knapp über Lindau lag. Prag landete mit Anstand auf Platz 3. Der Termin wird laut Hofmann im April 2007 sein. Hering schlug dazu Zustiegsmöglichkeiten zwischen Hof und Marktredwitz sowie Zubringerzüge ab Bad Steben und Münchberg vor. W. R.

Hochfranken unterwegs auf dem Neckar: Die meisten Fahrgäste des Sonderzuges ab Hof ließen sich
die Schifffahrt im Neckartal nicht entgehen. Im Bild einige der Teilnehmer aus der Stadt und dem
Kreis Hof auf dem Sonnendeck bei Neckarsteinach. FOTOS: WERNER ROST

Ein Landrat als Meinungsforscher: Bernd Hering befragte persönlich bei der Rückfahrt von Heidelberg
alle 500 Fahrt-Teilnehmer über ihr Wunschziel für den Hochfrankenexpress im Frühjahr 2007.
Der Selbitzer Schüler Jan Simon assistierte dem Landrat bei der Umfrage.
Ein stellvertretender Landrat als Motor für eine Stimmungskanone: Klaus Adelt schob während des
Lokwechsels den Ziehharmonika-Spieler Frank Willutzki auf einem Koffer-Kuli über den
Würzburger Bahnsteig.

Nach Heidelberg soll das Zuglaufschild des nächsten Hochfrankenexpresses im April 2007
Salzburg als Ziel anzeigen
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